Aníbal de Otero: Mencía aus dem Bierzo von alten Reben
Es gibt Weingüter, deren Entdeckung erweisen sich als kleine Offenbarung. Aníbal de Otero aus dem Bierzo in Spanien gehört für uns eindeutig dazu.
Kennengelernt haben wir die Inhaberin Elva Otero auf der Barcelona Wine Week. Ihr Stand war zwei Quadratmeter groß. Ein kleiner Tisch, dahinter ein Schränkchen, darin je zwei Probeflaschen ihrer teuersten Weine. Serviert hat sie leicht gesalzene Kekse und Jamón Ibérico, den Elva von zu Hause mitgebracht hatte.
Vorgestellt wurde sie uns von einer Weinagentin. Die alte Dame Elva wirkte in ihrem kleinen Eckchen inmitten der dynamischen und mehrheitlich deutlich größeren Präsentationsstände ein wenig aus der Zeit gefallen. Nach einer halben Stunde waren wir uns einig.
Nach der Messe bekamen wir die ersten Muster von Elva zugeschickt. Keine Hochglanzlabels, sondern handbeschriftete Unikate. Jede Flasche war ein Einzelstück: persönlich, authentisch und irgendwie genau passend zu diesem kleinen, besonderen Weingut im Bierzo.
Aníbal de Otero: Fünf Weine aus dem Bierzo
Bei Weinwunder führen wir fünf Weine von Aníbal de Otero. Im Mittelpunkt steht die Rebsorte Mencía, die im Bierzo im Nordwesten Spaniens ihre zunehmend bekanntere Heimat hat. Von unkompliziertem Trinkvergnügen bis zum extrem limitierten Spitzenwein zeigen die fünf Weine, wie unterschiedlich Mencía aus alten Reben schmecken kann.
Die Weinberge von Aníbal de Otero liegen auf kargen Schiefer- und Lehmböden. Die Mencía-Reben sind zwischen 90 und teilweise 130 Jahre alt und werden traditionell im Busch gezogen. Die alten Rebstöcke liefern nur geringe Erträge, dafür Trauben mit großer Konzentration, Tiefe und eigenständigem Charakter.
Alte Mencía-Reben und Handarbeit
Für Elva Otero sind diese alten Weinberge das wichtigste Kapital des Weinguts. Statt auf große Mengen setzt Aníbal de Otero auf kleine Parzellen, Handlese und sorgfältige Selektion. Die Arbeit im Weinberg und Keller ist darauf ausgerichtet, den Charakter der alten Mencía-Reben und ihrer Böden möglichst unverfälscht in die Flasche zu bringen.
Hinter dem Namen Aníbal de Otero steckt eine Familiengeschichte. Elva führt das väterliche Erbe weiter und entwickelt es gleichzeitig zu ihrer eigenen Interpretation des Bierzo. Die Leidenschaft für Wein und die alten Weinberge hat sie von ihrem Vater übernommen. Heute bewahrt sie diese Tradition und gibt ihr eine moderne, sehr persönliche Handschrift.
Der Einstieg in die Welt des Weinguts ist der Gutswein „Mencía". Kirsche, Cassis, feine Würze und elegante Tannine machen ihn zu einem authentischen Botschafter der Rebsorte. Schon dieser Wein zeigt, wie viel Charakter man der Traube aus alten Reben entlocken kann.
Mit dem „Villa O." wird die Herkunft noch konkreter. Die Trauben stammen von mindestens 90 Jahre alten Reben rund um Otero. Reife rote Früchte treffen auf Kräuter und Würze. Ein vielseitiger Bierzo-Rotwein, der hervorragend zu kräftiger Küche passt.
„Los Fornos": Mencía von 130 Jahre alten Reben
Der „Los Fornos" stammt aus einer besonderen Parzelle mit über 130 Jahre alten Mencía-Reben. Südexponierte Schiefer- und Lehmböden, Wald und Wildkräuter prägen die Umgebung. Im Glas zeigt sich ein konzentrierter Bierzo mit Kirsche, Kräutern, balsamischen Noten und einem langen, würzigen Finale.
Noch rarer ist der „El Cepón". Die Trauben stammen aus einer einzigen Parzelle alter Reben. Vom Jahrgang 2020 wurden gerade einmal rund 1.000 Flaschen produziert. Der Wein ist kraftvoll und balsamisch, gleichzeitig präzise und elegant – ein großartiger Beleg dafür, welches Potenzial Mencía aus dem Bierzo besitzt.
„Terra Fondada": Nur 300 Flaschen im Jahr
Und dann gibt es den „Terra Fondada". Von diesem besonderen Wein entstehen gerade einmal 300 Flaschen im Jahr. Die Trauben stammen von alten Mencía-Reben aus einer besonderen Einzellage und werden extrem selektiv von Hand gelesen. Ein Wein, der schon aufgrund seiner geringen Menge eine echte Rarität ist.
Beim Jahrgang 2020 wurden die Trauben sogar Stück für Stück von den Stielen getrennt. Anschließend reifte der Wein lange im französischen Holz. Im Glas zeigt sich ein großartig konzentrierter und zugleich eleganter Mencía mit Kirsche, Cassis, Kräutern, feiner Würze und langem Nachhall.
Was macht die Weine von Aníbal de Otero besonders?
Was uns an Aníbal de Otero besonders gefällt, ist die Verbindung aus alten Reben, Schieferböden, Handarbeit und persönlicher Geschichte. Elva versucht nicht, das Bierzo neu zu erfinden. Sie arbeitet mit dem, was ihre Familie über Generationen aufgebaut hat: alten Weinbergen, kleinen Parzellen und einer Rebsorte, die das Bierzo wie kaum eine andere repräsentiert.
Dabei entstehen fünf Weine mit unterschiedlichen Charakteren und einer gemeinsamen Handschrift. Sie sind nicht darauf ausgelegt, möglichst vielen Menschen zu gefallen. Sie zeugen von ihrer Herkunft und zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial Mencía aus alten Reben im Bierzo besitzt.
Auf dem Weingut selbst waren wir bis heute nicht. Geblieben ist von dem Nachmittag auf der Messe weniger eine Verkostungsnotiz als ein Satz: Das Weingut sei Familie, sagte sie, und egal wie schwer es werde, aufgeben komme nicht in Frage. Wer ihre Weine trinkt, versteht, warum sie so klingt. Das ist pures Terroir, ihre Heimat. Elva, die handbeschrifteten Musterflaschen und die Geschichte Ihres alten Weinguts mitsamt der unglaublich alten Weinberge. Alles sehr persönlich, unglaublich authentisch und ganz weit weg von Massenware.
Für uns ist Aníbal de Otero deshalb genau die Art von Weingut, nach der wir bei Weinwunder suchen: klein, eigenständig, persönlich und kompromisslos in der Qualität. Und wenn man eine der nur 300 Flaschen „Terra Fondada" geöffnet hat, erfährt man eindrücklich, warum Mencía aus dem Bierzo zu den spannendsten Entdeckungen Spaniens gehört.
Die Weine von Aníbal de Otero findest du in der Kollektion Bierzo und bei der Rebsorte Mencía.